Cantharis C12
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Hintergrundinformationen zu Cantharis
vesicatoria
Cantharis vesicatoria
(Lytta vesicatoria) ist besser bekannt unter dem Trivialnamen "Spanische Fliege".
Dabei handelt es sich nicht um eine Fliege, sondern einen Käfer aus der Familie
der Ölkäfer. Die spanische Fliege lebt im Mittelmeerraum, wo sie sich vor allem
von den Blättern der Esche und anderer Laubbäume ernährt. So auch von Ölbäumen,
die für ihre Familie namensgebend wurden.
Die im erwachsenen Zustand rund zwei Zentimeter
langen, schlanken Tiere fallen durch ihre schimmernde, metallisch grüne Farbe
auf. Fühlen sich die männlichen Käfer bedroht, sondern sie ihren Mageninhalt
und die sog. Hämolymphe (quasi das Blut der Insekten) ab. Beide Sekrete riechen
ausgesprochen unangenehm, sind hautreizend und hochgiftig aufgrund des
enthaltenden Monoterpens "Cantharidin". Dieses dient der spanischen
Fliege als Fraßschutz. Die Weibchen übertragen es u.a. auch an ihre Eier
(Nachkommen), sodass auch diese vor Fressfeinden sicher sind.
Bereits 30 Milligramm des Nervengiftes
Cantharidin sind für einen erwachsenen Menschen tödlich. Auf der Haut führt es
zu Brandblasen und Nekrosen, oral eingenommen kann es einen Kreiskaufkollaps,
Leber- und Nierenversagen verursachen. Die alten Griechen verwendeten
Cantharidin somit für Hinrichtungen und auch Giftmörder benutzten es bis in die
Neuzeit zur Beseitigung unliebsamer Zeitgenossen.
Volksmedizinisch wurde Cantharidin in nicht
tödlicher Dosierung bei Erektionsstörungen verwendet: Es steigerte zwar nicht
die Libido, reizte jedoch die Harnwege und sorgte dadurch für eine Erektion.
Vorsicht war dabei geboten, denn bereits leichte Überdosierung führte zu einer
schmerzhaften Dauererektion.
In der heutigen Zeit ist die Spanische Fliege
deswegen als risikoreiches Aphrodisiakum vollkommen obsolet. Cantharis findet
heute nur noch als homöopathisches Arzneimittel in gesundheitlich
unbedenklicher Dosierung Verwendung. Für homöopathische Zubereitungen
verarbeitet man den ganzen, getrockneten Käfer. Gemäß dem Simile-Prinzip setzt
man Cantharis vor allem bei Erkrankungen der Harnwege, der Haut und der
männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane ein. Brennende und schneidende
Schmerzen stellen dabei das Hauptsymptom dar.
Erscheinungsbild: Allgemeine
Charakteristik und Leitsymptome
Patienten, die von
Cantharis profitieren, sind unruhig, launisch, außerordentlich reizbar (auch
sexuell) und neigen zu Wutausbrüchen. Die Schmerzen werden als brennend und
extrem empfunden. Extreme Stimmungsschwankungen reichen von fröhlicher
Geschwätzigkeit bis zu weinerlicher Ängstlichkeit. Der Patient neigt zu
Hypochondrie, Depressionen und Konzentrationsstörungen bis hin zur totalen
Verwirrtheit. Oftmals ekeln sie sich vor Essen und Trinken, obwohl sie
brennenden Durst verspüren.
Anwendungsgebiete in der Übersicht
·
Reizungen
von Haut und Schleimhäuten mit Blasenbildung und heftigem Juckreiz
·
Verbrennungen
und Verbrühungen mit Blasenbildung
·
Harnwegsinfekte
mit brennenden Schmerzen beim Wasserlassen
·
schmerzhafter
Harndrang mit unvollständiger Blasenentleerung
·
Nierenbeckenentzündungen
nach Rücksprache
·
Prostataentzündung
nach Rücksprache
·
schmerzhafte
Erektionen nach Rücksprache
·
brennende
Bindehautentzündungen des Auges
·
brennende
Halsschmerzen und Bläschenbildung im Mund
·
Brennen und
Juckreiz im Bereich der Genitalorgane
·
Sonnenbrand
·
Insektenstiche,
die heiß brennen
·
Windpocken
und Gürtelrose nach Rücksprache
·
Nervosität,
Unruhe und Reizbarkeit
Modalitäten: Verbesserungen und
Verschlimmerungen
Die Symptome bessern
sich durch Wärme, warme Anwendungen und Ruhe. Zu einer Verschlimmerung kommt es
durch kaltes Wasser, Hitze, Bewegung und Berührung, nachts, beim Wasserlassen
und durch Trinken kalter Getränke.
Hinweise zu Cantharis vesicatoria
Potenzen bis
einschließlich D3 sind aufgrund ihres Gehaltes an Cantharidin
verschreibungspflichtig.
Dosierung und Darreichungsformen
3 mal täglich, Kinder die Hälfte oder bei mangelnder Wirkung Dosis erhöhen
sind Regeln, die in der Homöopathie nicht gelten. Hier entscheidet nicht die
Menge, sondern die Art der Information. Schematische Dosierungsangaben
widersprechen dem Prinzip der Individualität in der Homöopathie.
Die homöopathische Arznei wird am schnellsten
und sichersten über die Mundschleimhaut aufgenommen, also: Globuli oder
Tabletten zergehen lassen, Lösungen eine Weile im Mund behalten, bevor sie
geschluckt werden. Auch über die gesunde Haut kann das Mittel wirken. Die äußerliche
Behandlung eines erkrankten Körperteils mit Salben und Einreibungen ist in der
Regel nicht nötig. Die homöopathische Behandlung zielt auf den gesamten
Organismus und nicht auf einzelne Teile.
Information wird am besten verstanden, wenn kein
anderer dazwischenredet. Wenn die Arznei einwirken soll, darf die
Mundschleimhaut nicht durch andere Einflüsse irritiert sein. Der Mindestabstand
zum Essen und Trinken, zu Kaugummi, Zigaretten, Zähneputzen und dergleichen
sollte 10 Minuten betragen. Die Arznei wird in akuten Fällen sofort gegeben,
ansonsten zu einem ruhigen Zeitpunkt.
Um ein Fernsehprogramm oder im Aufzug das
Stockwerk zu wählen, genügt ein Knopfdruck oder, bei manchen Vorrichtungen, das
bloße Berühren. Ein fester Druck bringt kein besseres Programm (es sei denn,
der Knopf ist schwer gängig, d.h. die Arznei ist von minderer Qualität). Bei
guter Arzneiqualität genügt ein Globulus oder ein Tropfen, um die Information
in den Organismus zu bringen. Manche geben zwei Globuli, zur Sicherheit, manche
drei oder fünf, manche Hersteller empfehlen zehn. Wenn wenige Globuli nicht
wirken, ist meist das Mittel falsch oder die Reaktion gestört. Dann sollte man
fachlichen Rat einholen.
Homöopathische Arzneien werden nicht nach der
Uhr, sondern nach Bedarf gegeben und ebenso auch wiederholt. Solange eine
Wirkung anhält, d.h. die Besserung voranschreitet, wird abgewartet. Erst bei
Stillstand der Wirkung oder erneutem Auftreten der alten Beschwerden wird die
Einnahme wiederholt. Haben sich die Symptome verändert, muss das Arzneimittel
neu bestimmt werden.
Bei Wiederholung des Mittels in kurzen
Zeitabständen geht man günstiger Weise nach der sogenannten
"Wasserglas-Methode" vor: Dazu gibt man ein bis drei Globuli in etwa
100 ml kohlensäurefreies Wasser und nimmt davon jedes Mal, wenn nötig, einen
Teelöffel (kein Metall) oder kleinen Schluck voll ein, nachdem man zuvor
umgerührt hat. Etwas anders verhält es sich bei den Q- bzw. LM-Potenzen. Von
der flüssigen Version (Tropfen), die vorzugsweise eingesetzt wird, werden je nach
Empfindlichkeit des Patienten ein bis 10 Tropfen nach mehrmaligem kräftigem
Schütteln des Fläschchens eingenommen. In chronischen Fällen einmal täglich, in
akuten Fällen auch mehrmals täglich. Nach dem Aufbrauchen wird ein jeweils
höherer Potenzgrad genommen.
Für den Hausgebrauch wird die D oder C 6 bzw. 12
empfohlen. Ihre Wirkdauer kann gut überblickt werden; sie beträgt in akuten
Fällen nur einige Stunden. Die Gabe kann bei Bedarf wiederholt werden. Bei
mangelnder Wirkung ist ein schneller Wechsel der Arznei problemlos möglich.
Hochgiftige Substanzen allerdings, z.B. Schwermetalle, sollten nicht unter der
D 8 (besser der D 12 bzw. C 6) verwendet werden. Höhere Potenzen wirken
intensiver und länger, werden aber bei falscher Mittelwahl zum Problem: Arzneisymptome
können länger als erwünscht anhalten und sowohl das Krankheitsbild als auch die
Wirkung der zweiten Arznei überlagern. Globuli aus Eigenherstellung,
handpotenziert in kleinen Chargen.