Der Fronhof

Erstmals wurde Ende des 11. Jahrhunderts (1088) über den Fronhof und seine große Bedeutung für unsere Region berichtet.

Als Fronhof wurde ein Gutshof bezeichnet, der das wirtschaftliche und herrschaftliche Zentrum eines Verbandes mehrerer Bauernhöfe bildete. Seine Sonderstellung war vor allem darin begründet, dass zu ihm ein Hofgericht gehörte, an dem über „Land und Leute“ vom vorsitzenden Grundherrn selbst oder von Verwaltern (Schultheiß) entschieden wurde. Waren Geistliche die Grundherren, wurde die Gerichtsbarkeit von einem weltlichen Vogt ausgeübt¹.

Für die Feldarbeit war das (unfreie) Gesinde da, das auf dem Fronhof lebte. Daneben hatten abhängige (hörige) Kleinbauern sogenannte „Hand- und Spanndienste“ für den Fronhof zu erbringen. Das wenige Land, mit dem sie sich und ihre Familien ernährten, gehörte in der Regel zum Fronhof. Neben der Hofarbeit hatten sie dafür eine Pacht zu erbringen, meist in Form von Geld und Naturalien, wie Getreide, Gemüse, Federvieh etc.

Man spricht in diesem Zusammenhang auch von „zweigeteilter Grundherrschaft“, die im Frühmittelalter in Franken die Fronhöfe und die von diesen abhängigen Kleinbetriebe (Hufen) bildeten.

Der Fronhof in Heimerzheim gehörte zum Stift St. Kunibert in Köln. Auf einem Grundstück des Fronhofes wurde damals eine Kirche errichtet, die 1081 geweiht zur Pfarrkirche „St. Kunibert“ erhoben wurde. Bis heute ist die kath. Kirche diesem Namenspatron geweiht geblieben.

Neben dem Wohngebäude des Grundherrn oder des Verwalters gehörten zum Fronhof Wohnhütten für das Gesinde sowie Ställe, Scheunen und Vorratskammern.

Der Fronhof mit der Frohnhof Apotheke ist eines der wenigen noch vorhandenen Fachwerk-Gebäude im Ort. Es ist das übriggebliebene Gutshaus des ehemaligen Fronhofes, der mit anderen Höfen in der Umgebung wie Burg Heimerzheim, Dützhöfe die „Herrlichkeit Heimerzheim“ bildete.

Im Laufe der Jahrhunderte verzeichnete der Fronhof viele Besitzübergänge. Er hat Kriege überstanden und Umbauten erfahren von Kirchenleuten, Adeligen und begüterten Privatpersonen, die darin wohnten. Um 1360 verfügte der Hof noch über 300 Morgen Land (1 Morgen = ca. 2500 m²). Verkäufe, Schenkungen und Aufteilungen ließen den Einfluss des Fronhofes immer weiter schrumpfen, bis er im Jahr 1798 durch die französische Regierung (Aufhebung aller Lehen) seine herausragende Stellung gänzlich verlor und nur noch ein üblicher Bauernhof war.

Nach dem 2. Weltkrieg (1939–1945) wurden die restlichen Ländereien des Fronhofes in Heimerzheim verkauft. Die noch vorhandenen Gebäude wurden von der Gemeindeverwaltung als Unterstellplatz für größere Geräte genutzt. Doch das aufstrebende Heimerzheim brauchte Platz für Wohnungen und Geschäfte. Die Stallungen und Scheunen wurden abgerissen. Das alte Gutshaus selbst übernahm die Apothekerfamilie Dr. Braun. Es wurde bis auf die Grundmauern und das Fachwerk entkernt und erneuert.

Dann, 1983, konnte die „Frohnhof-Apotheke“ in das Gebäude einziehen.

Es ist seitdem ein Blickfang und ortsbildprägend für Heimerzheim gewesen – bis im Juli 2021 die Flut über Heimerzheim hereinbrach. Nach sehr aufwändigen Sanierungsmaßnahmen hat das geschichtsträchtige ehemalige Gutshaus auch dieses schlimme Ereignis überstanden und zieht nun wieder die Blicke der Besucher auf sich.

Dem aufmerksamen Betrachter wird auffallen, dass es zwischen der Bezeichnung „Am Fronhof“ und „Frohnhof-Apotheke“ einen kleinen Unterschied in der Schreibweise gibt. Das war auch schon vor der Flut so. Bei der offiziellen Eröffnung der Apotheke 1983 machten die Eheleute Dr. Braun darauf aufmerksam, dass der vom ehemaligen Fronhof ausgehende Zwang auf Menschen nicht zu einer Apotheke passte. Sie wollten den Besuchern ihrer Apotheke stattdessen viel Freude und „Froh-sinn“ zukommen lassen. Deshalb die Bezeichnung „Fronhof“

¹ In Anlehnung an Prof. Hermann Schlagheck

Bilder von links nach rechts:

Bild 1: Erntewagen auf dem Fronhof um 1925

Bild 2: Denkmaltafel

Bild 3: Frohnhof Apotheke Dr. Braun mit Kirche St. Kunibert