Heilpflanzen A-Z

Die Zubereitung
Bei der Zubereitung verwendet man Aluminium-, Ton- oder Emailgefäße, da Eisen, Kupfer oder Messing von den Pflanzensäuren angegriffen werden oder vorhandene Vitamine vernichten. Je nach Art und Beschaffenheit der Droge müssen bei der Zubereitung eines Kräutertees folgende Unterschiede gemacht werden:
Aufguß:
Die vorgeschriebene Menge der Droge wird in einem Gefäß mit siedendem Wasser übergossen. Man läßt den Tee 10 bis 20 Minuten zugedeckt ziehen und seiht ihn anschließend durch ein Sieb.
Zweite Methode: Man setzt die Droge mit kaltem Wasser in einem geschlossenen Gefäß auf, erhitzt das Ganze bis zum Siedepunkt und läßt es wiederum 10 bis 20 Minuten ziehen. Dieser zweiten Zubereitungsart ist im allgemeinen der Vorzug zu geben.
Kalter Auszug:
Die Droge wird mit kaltem Wasser angesetzt. Bei Zimmertemperatur läßt man das Gemisch etwa 12 Stunden (meistens über Nacht) stehen. Den gereinigten Tee trinkt man in angewärmter Form.
Abkochung:
Die Droge wird mit kaltem Wasser aufs Feuer gesetzt und bis zum Sieden erhitzt. Man läßt die Mischung 10 bis 15 Minuten leicht sieden und vor dem Absinken wiederum rund 15 Minuten ziehen. Die Abkochung wird fast nur bei Rinden, Wurzeln, Samen und Stengeln angewendet. Müssen harte und zarte Pflanzenteile in einem gemischten Trank vereinigt werden, so übergießt man mit der Abkochung der härteren Bestandteile die Blätter und Blüten.
Merke: Kräutertee aus ätherischen Öldrogen (Wirkstoff verflüchtigt sehr leicht) und aus Blüten und zarten Blättern wird nach der Methode des Aufgusses zubereitet.
Dickere Blätter (Bärentrauben) und vor allem Hölzer, Rinden und Wurzeln müssen abgekocht werden, da sich sonst ein zu kleiner Teil der Wirkstoffe im Wasser löst. Es ist auch sehr wichtig, daß die Drogen genügend zerkleinert werden, verschiedene Früchte hingegen (Wacholderbeeren) sollten vor der Teezubereitung zerquetscht werden.
Dosierung:
In der Regel nehme man für die Zubereitung eines Auszuges 1 bis 3 Teelöffel voll Droge auf eine Tasse (200 ml) Wasser. Doch gibt es auch hier je nach der Droge (Orangenblüten) verschiedene Abweichungen.
Ob man einem Kräutertee Zucker beifügen soll oder nicht, darüber gehen die Meinungen sehr stark auseinander. Auf jeden Fall beeinträchtigt der Zucker die Wirkung des Kräutertees nicht, ja er fördert sogar noch die Resorption der Wirkstoffe. In der Regel werden die bitteren Kräuterauszüge nicht gezuckert. Oft empfiehlt es sich aber, bittere Tees mit Honig oder Kandiszucker (besonders bei Hustentees) im Geschmack zu verbessern. Doch vermeidet man diesen Zusatz bei Tees gegen Magen- und Verdauungsstörungen oder Durchfall, da sie dann mehr schaden als nützen würden.
Andere Zubereitungsarten sind Tinkturen, Extrakte und Fluidextrakte, Salben, Sirupe und Pulver; ihre Zubereitung erfordert bestimmte Kenntnisse und Vorrichtungen, so daß man sie für den beschränkten Gebrauch im Haushalt zweckmäßiger in Apotheken und Drogerien kauft.
Weitere gebräuchliche Zubereitungen aus Heilkräutern sind:
Kräuterbad:
Die Droge wird in einen Gazebeutel eingenäht, in das Badewasser eingehängt. Man kann die Droge auch vorher mit wenig Wasser ausziehen und den Auszug dem Badewasser zusetzen. Für ein Vollbad nimmt man 250 g - 500 g Kräutermischung, für ein Hand-, Fuß- oder Sitzbad entsprechend weniger.
Breiumschlag oder Breipackung / Kataplasma:
Der durch Aufguß bereitete Kräuterbrei wird entweder mit Gaze (Leinentücher, Guttapercha) auf die Hautpartien aufgelegt, oder man taucht die Körperteile unmittelbar in den Brei und läßt diesen längere Zeit einwirken. Hierher gehört auch die Verwendung gepulverter Kräutergemische für kosmetische Zwecke (Gesichtsmasken). Für Kataplasmen verwendet man hauptsächlich schleimhaltige Drogen wie Leinsamen, Bockshornsamen, Senftmehl usw.
Dampfbad / Inhalation:
Man verwendet ätherische Öldrogen (Kamillen, Thymian usw.) und bereitet einen Aufguß. Die aufsteigenden ölhaltigen Dämpfe werden eingeatmet. Diese Art Dampfbad ist wirksam bei Erkrankungen der Luftwege, bei Katarrh, Schnupfen sowie kosmetisch gegen unreine Haut, Pickel, Mitesser usw. Wem kein Inhalationsapparat zur Verfügung steht, der kann sich eines primitiveren Verfahrens bedienen: Mit übergehängtem dickem Wolltuch hält man den Kopf über ein Gefäß mit dampfendem Tee und atmet so den Dampf ein.
Gurgelwasser, Spülflüssigkeit und Augenwasser:
Die Zubereitung der hierfür verwendeten Auszüge erfolgt etwas kräftiger, als sie gewöhnlich bei der Teezubereitung üblich ist. Gurgelwasser verwendet man bei entzündlichen Erkrankungen der Mund- und Rachenschleimhäute (z.B. Salbei). Als Augenwasser benutzt man die Auszüge gegen Entzündungen kalt, zu sonstigen Zwecken angewärmt.
Wenn schon Heilpflanzen zur Vorbeugung, Linderung und Heilung vieler Krankheiten von hohem Wert und großem Nutzen sind, so ist damit nicht gesagt, daß der Laie wahllos und ohne vernünftige Überlegung sich ihrer bedienen soll, weil sie ihm zur freien Verfügung stehen. Jede Gabe der Natur verlangt auch eine sinn- und sachgemäße Verwendung.
Nicht jeder ist sein eigener Diagnostiker. Wirkliche Krankheiten - von vorübergehendem Unbehagen und Unwohlsein abgesehen - wollen auch richtig erkannt werden. Wer vermag sie aber besser zu erkennen als der tüchtige und erfahrene Arzt? Darum, bei aller Liebe zu Heilpflanzen und ihrem Gebrauch, ist bei schweren Leiden die Konsultation eines Arztes immer erste Pflicht. Auch Heilpflanzen sind in den Händen des aufgeschlossenen modernen Arztes Mittel der Krankenbehandlung.



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