Häufige Krankheiten

Thrombose-Risiko

Grundsätzlich gilt: jede Thrombose stellt eine tödliche Bedrohung dar, indem sich der Thrombus (Blutgerinnsel) löst, über die venöse Blutbahn die Lunge erreicht und dort eine Lungenembolie verursacht.

Nach Schätzungen sterben in Deutschland jährlich ca. 25.000 Menschen an den Folgen einer Thromboembolie. Damit steht dieses Krankheitsbild neben Krebs und Herzinfarkt an dritter Stelle der häufigsten Todesursachen.

Werden z. B. bei einem operativen Eingriff keine vorbeugenden Maßnahmen (blutverdünnende Medikamente, wie z. B. Acetylsalicylsäure) getroffen, kommt es bei bis zu 50% der betagten Patienten zu einer tiefen Venenthrombose. Bei Jüngeren und sogar Jugendlichen liegt die Ereignisrate bei 1 - 5% aller operativ Behandelten.

Wodurch wird ein Thromboserisiko erhöht?

Patienten mit schweren Verletzungen und nach schweren Operationen, wie z. B. Tumorentfernung, Hüftgelenksersatz-Operationen, haben ein deutlich höheres Risiko als Leichtverletzte und Patienten nach kleineren Eingriffen (z. B. Augenoperation).

Das Risiko des Patienten wird allerdings auch durch andere Faktoren bestimmt, wie

  • Alter
  • Übergewicht
  • bereits durchgemachte Thrombosen
  • Krampfadern
  • oder
  • Art und Dauer einer Narkose
  • Dauer der Unbeweglichkeit
  • Flüssigkeitsdefizit
  • Infektionen.

Bei frühzeitiger Entlassung aus dem Krankenhaus kann das Risiko weiter bestehen, da der Patient meist noch nicht so mobil ist. Deshalb ereignen sich ca. 25% der tödlich verlaufenden Lungenembolien nach der Entlassung aus dem Krankenhaus.

Abbildung 1 Blutgefäß mit Sauerstoff-transportierenden roten Blutkörperchen
(normaler Blutfluss)

Die auslösenden Faktoren

Der Virologe Rudolf Virchow hat drei Faktoren ausgemacht, die für das Entstehen venöser Thrombosen von entscheidender Bedeutung sind. Diese beziehen sich auf Veränderungen der Gefäßwand, der Blutzusammensetzung und der Blutströmung.

Veränderungen der Gefäßwand

Die gesunde Gefäßwand lässt unter normalen Umständen keine Thrombose entstehen. Die Gefäßwände können aber durch verschiedene Eindringlinge, wie z. B. Bakterien oder Giftstoffe geschädigt werden.
An diesen geschädigten Gefäßwand-Stellen lagern sich Thrombozyten (rote Blutkörperchen) ab. Diese werden aktiviert und verklumpen.

Abbildung 2 Ein Fibrinnetz (Fibrin = Blutfaserstoff, der bei der Blutgerinnung unter Einwirkung von Thrombin aus Fibrinogen entsteht) formt ein Blutgerinnsel aus Thrombozyten

Veränderung der Blutzusammensetzung

Parallel zu den Verklumpungen der roten Blutkörperchen kommt es zur Blutgerinnung, wobei ein stabiles Fibringerinnsel entsteht. Im Blutgerinnungssystem gibt es eine Reihe von Hemmstoffen, die mit den Gerinnungsfaktoren in einem Gleichgewicht stehen.
Die wichtigsten sind

  • Antithrombin
  • Protein C und
  • dessen Cofaktor Protein S.

Ein Mangel an Hemmstoffen führt deshalb zwangsläufig zu einem Überwiegen der Gerinnungsfaktoren und somit zu einer verstärkten Gerinnungsneigung des Blutes.
Auch eine erhöhte Blutdicke ist ein Risikofaktor.

Veränderung der Blutströmung

Die Blutströmung ist häufig durch Abflusshindernisse bedingt. Bei Patienten, die sich körperlich nicht bewegen können, ist die reduzierte Herzmuskelarbeit ein wichtiger Anlass für das Entstehen einer Thrombose.
Auch längere Bewegungseinschränkungen wie langes Sitzen im Bus oder Flugzeug, können eine Thrombose auslösen.

Möglichkeiten der Vorsorge

Die bestmöglichen Maßnahmen zur Vermeidung tiefer Venenthrombosen und Lungenembolien betreffen in erster Linie die verlangsamte Blutströmung und die Veränderungen der Blutzusammensetzung.
Zur Beschleunigung des Blutflusses empfehlen sich Kompressionsstrümpfe oder elastische Wickelungen. Durch den Druck der auf das Bein wirkt, wird der Blutfluss zurück zum Herzen beschleunigt. Zusätzlich sollte jeder Patient so früh wie möglich mobilisiert werden, d. h. sich ausreichend bewegen.

Neben diesen "physikalischen" Maßnahmen wird heute auch eine medikamentöse Thromboembolieprophylaxe empfohlen.
Dafür stehen folgende Medikamente zur Verfügung:

  • Heparin
  • Heparin + Dihydroergotamin
  • Dextran
  • Cumarinderivate

Die Entscheidung, welche der Substanzen jeweils am besten geeignet ist, wird vom Arzt entschieden.

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